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Weichenstellungen im Bildungssystem – Abstellgleis für die Realschule?
In der vergangenen Woche hat Ministerpräsident Kretschmann in einer Regierungserklärung über die umfangreichen Weichenstellungen im Bildungssystem informiert. Im Gegensatz zu anderen Verbänden empfindet der Realschullehrerverband das Ergebnis für die Realschulen als katastrophal (siehe auch die Pressemitteilungen und den „Offenen Brief“ des RLV und des VDR). Das Ergebnis hat aus unserer Sicht für die Realschulen nur Nachteile und trägt eindeutig die „Handschrift“ der Grünen. Alle Gespräche über die Möglichkeit zu Verbundschulen wurden vom RLV unter dem Vorbehalt einer nahenden Verbindlichkeit geführt. Niemals war die Rede davon, dass es diese gar nicht gibt. Ohne die Verbindlichkeit werden die Verbünde zu Bürokratiemonstern, die von unseren Schulleitungen zu verwalten sind!
Dennoch wird in der Öffentlichkeit behauptet, dass man eine verbindliche Grundschulempfehlung durchgesetzt hätte. Das ist eine Unverfrorenheit! Die Sorge davor, dass die Gymnasien überlaufen, hat hier wohl eher die Entscheidung diktiert. Mit den Kindern hat das zunächst gar nichts zu tun.Das fatale Zeichen, das an die Eltern, Schüler und Lehrkräfte im Land geht, heißt: Für das Gymnasium braucht ein Kind ein bestimmtes Potenzial, alle anderen Schularten, kann man sich beliebig auswählen. Dabei hatte die Realschule schon immer eine ihr eigene Methodik und Didaktik beim Erarbeiten der Inhalte bis zum Realschullabschluss nach der 10. Klasse. Das hat sie erfolgreich gemacht!
Im Prinzip fehlt nur eine kleine Korrektur des Konzepts, um das Gleichgewicht herzustellen: Die 2 aus 3 Regelung gilt für alle Schularten und bei Dissens mit dem Elternwillen gibt es einen entsprechenden Potenzialtest nicht nur am Gymnasium, sondern entsprechend auch an der Realschule. Kein Hexenwerk, völlig unkompliziert, kostenneutral und logisch. Glasklar sprechen lediglich ideologische Gründe dagegen.
Auch Verbünde von Haupt- und Realschulen brauchen eine Verbindlichkeit als Grundlage. Ohne Verbindlichkeit wird sich die Situation weder an Realschulen noch an Hauptschulen noch in den Verbünden ändern. Die Schulleitungen entlässt man jetzt in ein Organisationschaos.
Es entbehrt nicht eines gewissen, aber sehr schwarzen Humors, wenn man den Realschullehrerverband, der seit 13 Jahren davor warnt, dass mit fehlender Verbindlichkeit die Haupt- und Werkrealschulen sterben werden, im Ministerium darauf hinweist, dass es nun leider nicht mehr genügend Haupt- und Werkrealschulen im Land gäbe.
Immerhin sind es aber noch über 229, die mit ihrer besonderen Methodik und Didaktik die Schüler im eher praktischen Bereich und in ihrem Tempo fördern und damit wertvolle Arbeit leisten. Es wäre kontraproduktiv diese zwingend in Schulverbände zu drängen. Mit einer verbindlichen Grundschulempfehlung würden die Schülerzahlen an Haupt- und Werkrealschulen selbstverständlich wieder anwachsen. Ebenso wäre es möglich an Realschulen, ohne Hauptschule in der Nähe, unabhängige Hauptschulzüge einzuführen. Die Bereitschaft bei uns Realschulen ist da, der politische Wille nicht.
Ganz am Rande erwähnt haben alle Gemeinschaftsschulen, die zum Teil (Schülerzahlen betrachtet) vor sich hindümpeln, einen G-Zug (Hauptschulzug) im System. Doch die Gemeinschaftsschulen werden nicht angerührt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt? Nochmal: Das Aussparen der Verbindlichkeit für Realschulen ist nicht logisch, sondern nur ideologisch begründbar.
Auf der einen Seite gibt es in Zukunft das Gymnasium und auf der anderen Seite eine vereinheitlichte Sekundarstufe, auf die alle anderen Kinder gehen, die das Gymnasium nicht schaffen. Das ist defacto die Implementierung eines zweigliedrigen Schulsystems in Baden-Württemberg. Es werden, wie in anderen Ländern auch, Privatschulen Aufwind bekommen, in denen die Eltern die Wünsche für ihr Kind über den Geldbeutel regeln können. Der Fachkräftemangel wird weiterhin ansteigen, die Qualität der Ausbildung sinken. Gerade in nichtakademisch hoch qualifizierten Berufen wird der Mangel eklatant sein. Fehlt die Realschule, leidet der Mittelstand. Wenn man ein stabiles Bildungssystem und Wohlstand zerstören will, fängt man in der Mitte an.
Sicher, es gibt auch Verbundschulen, bei denen das gut funktionieren könnte. Wir machen aber immer wieder darauf aufmerksam, dass auch Verbundschulen auf eine Verbindlichkeit der Empfehlung und Übergänge nach Leistung basieren müssen. Es ist inzwischen eine Binsenweisheit, dass Eltern die Schulen nach völlig anderen Kriterien wählen und in der Regel den höheren Bildungsweg für ihre Kinder wollen. Ebenso gehört es aber auch zur Wahrheit, dass Eltern, die ihr Kind auf eine Realschule schicken, das Realschulniveau dort auch erwarten dürfen. Mit solchen Eltern reden wir täglich, medial werden sie nie erwähnt. Es gilt die Verbindlichkeit auch für die Realschule herzustellen, nur so kann die Abschaffung der Realschule in Baden-Württemberg verhindert werden.
Am 3. Mai 2024 ging die Personalratswahl zu Ende. Der RLV konnte, wie bei der Wahl 2019, erneut einen deutlichen Zuwachs an Stimmen verzeichnen. Nach den vorläufigen Endergebnissen konnten die bisherigen Sitze größtenteils erfolgreich gehalten werden. Erfreulich ist, dass der RLV künftig in weiteren Gremien vertreten sein wird (u.a. ÖPR im SSA Rastatt). Beim ÖPR am Staatlichen Schulamt Pforzheim konnte die Zahl der Sitze verdoppelt werden.
Der RLV trat bei den Wahlen zum Hauptpersonalrat und den Wahlen zu den Bezirkspersonalräten in allen vier Regierungspräsidien an. Ebenso war der RLV bei den meisten Wahlen zum örtlichen Personalrat an den Staatlichen Schulämtern mit eigenen Listen vertreten.
Herzlichen Dank an alle Kandidatinnen und Kandidaten, die sich für den RLV haben aufstellen lassen!
Netzwerktreffen Ökonomische Bildung Baden-Württemberg am 12.03.2024 in Stuttgart
Hier treffen sich Akteure aus Schule und Wirtschaft zum Austausch. Das Ziel ist, ökonomische Bildung an Schulen zu initiieren und nachhaltig zu gestalten.
'Vernetzt' hat sich der RLV unter anderem sehr gerne mit Johannes Schmalzl, Vorsitzender des Vorstands der Würth-Stiftung.
Die Würth-Stiftung richtete 2005 das 'Kompetenzzentrum Ökonomische Bildung Baden-Württemberg' unter dem Dach der Stiftung ein, dessen Ziel es ist, Schulen näher an Wirtschaftsthemen heranzuführen.
Das Kompetenzzentrum vergibt jährlich den Würth Bildungspreis für weiterführende allgemeinbildende Schulen und den Landespreis für Absolventen der Werkrealschulen und organisiert die "Handwerkstatt" als Maßnahme zur beruflichen Orientierung für Schüler.
Ein Führungskräftesymposium ist Plattform zum Austausch für Führungskräfte aus Schule, Wirtschaft und Wissenschaft.
Die Fortbildung „Wirtschaftspraxisprogramm für Lehrkräfte“ bietet Lehrkräften die Möglichkeit, einen realen Einblick in wirtschaftliche Abläufe zu bekommen: Gerade für Realschullehrkräfte ein äußerst interessantes Angebot, was noch zu wenig genutzt wird, wie der RLV und auch Johannes Schmalzl finden.
„Bildungsqualität – was können wir tun?“ Gespräch am Montag, 4. März 2024 in der Industrie- und Handelskammer Ulm (IHK Ulm) Präsidiumszimmer. Die IHK Ulm vertritt 39.000 Mitgliedsbetriebe in der Region.
Die Hautgeschäftsführerin der IHK-Ulm, Petra Engstler-Karrasch, hatte dazu eingeladen, sich in kleinem Kreis über Bildungsqualität an den Schulen und in der Ausbildung auzutauschen.
Der Realschullehrerverband führt regelmäßig Gespräche mit der IHK (vor allem mit der sehr aktiven IHK-Ulm). Schließlich sind unsere Realschüler wichtige zukünftige Faktoren für die Wirtschaftskraft Baden-Württembergs. Das Erfolgsmodell Realschule ist, aber vor allem war, der Garant für eine hohe Qualifikation auch im nichtakademischen Bereich.
Aber die Probleme sind offensichtlich: Seit Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung 2012 und der darauffolgenden Nivellierung der Schularten schneidet Baden-Württemberg in allen Bildungsstudien und Ländervergleichen zunehmend schlecht ab. Wirtschaftsunternehmen sind unzufrieden mit dem Niveau der Auszubildenden, vermehrt werden Ausbildungen abgebrochen. Der eklatante Fachkräftemangel im Land muss alle aufschrecken, denn die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Baden-Württemberg beruht vor allem auf qualifiziertem Fachpersonal und einer ausreichenden Verfügbarkeit von Fachkräften auf ALLEN Qualifikationsstufen.
Der Realschullehrerverband wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass unterschiedliche Kinder unterschiedliche Schularten in einem leistungsstarken Schulsystem brauchen, was stets durchlässig bleibt. Der Unterschiedlichkeit und Vielfalt von Kindern durch Unterschiedlichkeit und Vielfalt der Schulen gerecht zu werden, bedeutet Bildungsgerechtigkeit und schafft Bildungsqualität.
Der Austausch heute war sehr gewinnbringend. Schule und Wirtschaft sollten deutlicher gemeinsam agieren. Die Ideen, genau das zu intensivieren, verfolgen alle Beteiligten gerne weiter!
Foto von links: Martina Doleghs (Mitglied der Geschäftsleitung Bildung IHK Ulm), Frank Stumm (Leiter Aus- und Weiterbildung IHK Ulm), Achim Schwarz (Schulamtsdirektor Biberach), Gabriele Finkbeiner (Vizepräsidentin IHK Ulm), Christoph Ulrich (Vizepräsident IHK Ulm), Dieter Barth (Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses), Dr. Karin Broszat (Landesvorsitzende RLV), Petra Hengstler-Karrasch (Hauptgeschäftsführerin IHK Ulm)
Gespräch der Vertreter unserer großen 'Realschulfamilie' im 'Haus der Abgeordneten' in Stuttgart mit dem bildungspolitischen Sprecher der CDU, MdL Andreas Sturm, und dem parlamentarischen Berater der CDU, Dominik Ohly, am 29.02.2024
Der Realschullehrerverband Baden-Württemberg (RLV), die Realschulrektoren-AG (AGRR) und der Förderverein Realschule Baden-Württemberg e. V. brachten im vertraulichen Gespräch ihre klare gemeinsame Haltung zu den Gesprächen der "Bildungsallianz" vor. Die Parteispitzen werden sich nach Ostern zu einem weiteren Austausch in Bebenhausen treffen. In Hinblick darauf wurde die Wiedereinführung des G9 und die daraus entstehende Situation für alle anderen Schularten mit Alexander Sturm und Dominik Ohly noch einmal ausgiebig erörtert. Alle am Treffen Beteiligten verließen Stuttgart in guter und aufgeräumter Stimmung. Bis bald!
Vielen Dank für den enorm wichtigen Austausch!
Von links: Dominik Ohly CDU (parlamentarischer Berater), Marlon Lamour RLV, Holger Gutwald-Rondot AGRR, Gudrun Jooß und Sven Kubick Förderverein Realschule BW, Dr. Karin Broszat RLV, Albrecht Binder AGRR, MdL Andreas Sturm CDU (bildungspolitischer Sprecher)